5 – DE – DIE KIRCHE

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DIE ERZPRIESTERKIRCHE

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Die Erzpriesterkirche von Arquà Petrarca hat sehr alte Ursprünge: Bereits ein Dokument aus dem Jahr 1026 belegt, dass auf Anordnung des Bischofs von Padua die Einkünfte aus den Ländereien und der Zehnt der Pfarrkirche dem Kloster San Pietro in Padua zugewiesen wurden.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrfach verändert. Bei der Pastoralvisitation von 1449 wird ein heute verschwundener rückwärtiger Portikus erwähnt, während 1677 dank des Eingreifens des Erzpriesters Bellini die Fassade erhöht und umgebaut wurde.

Trotz ihrer Schlichtheit und Bescheidenheit spielt die Kirche eine grundlegende Rolle in der Geschichte von Arquà: Sechs Jahre lang bewahrte sie nämlich die sterblichen Überreste von Francesco Petrarca auf, bevor diese in den äußeren Sarkophag überführt wurden, der heute den Platz beherrscht.

DAS ÄUSSERE

An der Seite der Erzpriesterkirche, auf der Grabseite, kann man zwei historische Gedenktafeln von großem Interesse erkennen.

Die erste, 1524 vom Erzpriester Brevio, Kanoniker von Ceneda, angebracht, soll zugleich Dante, Petrarca und Boccaccio feiern, die drei großen Autoren, die die italienische Literatur geprägt haben.

Die zweite Tafel aus dem Jahr 1564 erinnert hingegen an die Rückgabe des Ortes Janzane (Regianzane) an die Gemeinde Arquà, eines Gebietes am Ventolone, das zuvor von Valsanzibio widerrechtlich an sich gebracht worden war.

Rechts von den Tafeln befindet sich außerdem ein Wappen mit gekreuzten Löwenpranken, das vermutlich an das Wappen der Estensi Angelieri erinnert, einer Adelsfamilie aus Este, die dafür bekannt ist, Ferrara regiert zu haben.

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Anlässlich des Petrarca-Jubiläums von 1874 erhielt die Erzpriesterkirche eine neue neoklassizistische Fassade, entworfen vom Ingenieur Legnazzi: kühl und symmetrisch spiegelte sie den strengen Stil der damaligen Zeit wider. Diese Fassade verschwand jedoch 1926, als die Front nach dem Entwurf des venezianischen Architekten Scolari erhöht und im romanischen Stil erweitert wurde, bis hin zum Brunnen – so, wie wir sie heute bewundern können. Die Arbeiten wurden unter der fachkundigen Leitung des Erzpriesters Don Giuseppe Dalla Longa ausgeführt.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche befand sich 1874 eine Totenkammer, die später abgerissen und anschließend wieder aufgebaut wurde und als Sakristei und Taufkapelle diente.

Ein interessantes Detail aus der Vergangenheit betrifft den Kirchhof vor der Kirche, wo sich Petrarcas Grab befindet: Lange Zeit liefen dort Schweine und andere Tiere frei umher. Das rief den Unmut der Bischöfe hervor, die den Bau einer Mauer anordneten. Doch trotz dieser Barriere wurden die Ermahnungen zwischen 1449 und 1713 mehrfach wiederholt, ohne ein vollständig zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.

Die Aufstockung der Kirche erfolgte 1609; dabei wurden die früheren Malereien von neuen Dekorationen überdeckt. Die letzten bedeutenden Restaurierungen und Reinigungsarbeiten stammen aus dem Jahr 1960: Sie gaben der Kirche ihr heutiges Aussehen zurück und bewahrten zugleich ihre jahrtausendealte Geschichte.

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DIE INNENRÄUME

Die Erzpriesterkirche von Arquà Petrarca bewahrt drei Altäre von bemerkenswertem künstlerischem und historischem Interesse.

1 – Der Hochaltar.
Er ist aus rotem und weißem Marmor gefertigt und wird durch zwei schlichte Statuen der Verkündigung sowie zwei Büsten kamaldulensischer Heiliger bereichert: des heiligen Romuald und des seligen Paolo Giustino, aus Carrara-Marmor gehauen. An den Seiten sind zwei Putti im Hochrelief zu sehen, über denen sich zwei Vasen mit Weinranken befinden.

Auf der Vorderseite des Altars befinden sich außerdem zwei Kerzenträger, Werke von Francesco Rizzi aus dem 17. Jahrhundert, die aus dem aufgehobenen Kloster von Rua stammen und 1808 hierher gebracht wurden. Auf den Sockeln steht der Name des Künstlers neben den Figuren des Engels und der Verkündigten.

Über dem Altar hängt ein großes, rundbogiges Gemälde (1,45 × 2,72 Meter), das die Aufnahme Mariens in den Himmel darstellt und von Palma Giovane (Jacob Palma F.) signiert ist. Vor der Restaurierung litt das Werk unter Regenwasser, das durch einen Spalt in der Mauer eindrang, doch heute ist es wieder in seiner ganzen Pracht zu sehen.

2 – Der Altar rechts vom Hochaltar.
Dieser Altar beherbergt ein Gemälde mit der Taufe Jesu, das Pietro Damini aus Castelfranco (1592–1631) zugeschrieben wird. Das Antependium aus rotem und weißem Marmor mit floralen Motiven wirkt eher schlicht und rustikal, ein Hinweis auf die unerfahrene, „ländliche“ Hand des Ausführenden, und wird um 1680 datiert.

3 – Der Altar links vom Hochaltar.
Das Altarbild zeigt die Rosenkranzmadonna und wird ebenfalls Pietro Damini zugeschrieben. Schon 1644 wurde das Werk als „sehr schön“ gelobt, auch wenn manche Kritiker diese Bezeichnung heute für übertrieben halten. Das Antependium hingegen ist ein echtes Schmuckstück: Es wurde 1670 unter Erzpriester Don Bellini als Florentiner Mosaik ausgeführt und mit Tulpen, Hyazinthen, Distelfinken, Schmetterlingen sowie einem Rundbild mit der Aufnahme Mariens in den Himmel geschmückt.

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DIE WERKE

Neue Restaurierungen wurden 1840 durchgeführt.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Erzpriesterkirche mehrfach restauriert. Bereits 1840 wurden Instandhaltungsarbeiten ausgeführt, doch eine besonders bedeutende Restaurierung fand 1915 statt: Sie machte es möglich, die ursprüngliche Höhe der Kirche wieder sichtbar zu machen, die niedriger war als das heutige Erscheinungsbild, und brachte die für die Epoche typischen, schräg zulaufenden Fensteröffnungen zum Vorschein.

Die Innenmauern bestehen aus drei übereinanderliegenden Schichten, und die älteste Schicht stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, einer Zeit venetisch-byzantinischer Prägung, und ist relativ dünn.

Glücklicherweise wurde der Putz des 14. Jahrhunderts aufgetragen, ohne die zuvor vorhandene Oberflächenschicht zu beschädigen. So konnten in den Fehlstellen des Putzes die älteren Malereien wieder in ihrer ursprünglichen Frische hervortreten und wertvolle künstlerische Zeugnisse der Vergangenheit bewahren.

LINKS VOM HAUPTALTAR

Im Inneren der Erzpriesterkirche, wenn man sich vom Hauptaltar aus nach links bewegt

trifft man auf zwei thronende Madonnen, begleitet von einigen stehenden Heiligen. Unter ihnen fällt besonders eine Maria Magdalena auf (die zweite von rechts), die von den Auftraggebern der Malereien besonders verehrt wurde; diese sind als winzige kniende Figuren zu ihren Füßen dargestellt, in einer Geste der Andacht.

Weiter unten erkennt man mächtige Füße, die wahrscheinlich zu einem heiligen Christophorus gehören. Betrachtet man die Größe der Füße und die Proportionen des Körpers, muss die Figur etwa acht Meter hoch gewesen sein. Durch ein geschicktes Spiel mit Perspektiven scheinen sich die Füße zu drehen, je nachdem, wie sich der Besucher im Kirchenraum bewegt, wodurch ein dynamischer und fesselnder Effekt entsteht.

1926 wurde ein weiterer Teil der Wanddekoration freigelegt: Man sieht drei Heilige, die gestikulierend und rufend auf eine geflügelte Gestalt mit Heiligenschein reagieren, was der gemalten Erzählung an den Wänden zusätzliche Bewegung und Intensität verleiht.

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RECHTE WAND

An der rechten Wand der Erzpriesterkirche, vom Hauptaltar aus gesehen, kann man Fresken und Werke von großer Eindrücklichkeit bewundern. Im unteren Bereich sind einige Heilige mit Heiligenschein dargestellt, in eleganten, talarartigen Gewändern gekleidet und in einer Geste der Darbringung aufgereiht. Ihre kraftvolle farbliche Harmonie erzeugt einen nahezu dreidimensionalen Effekt: Die Figuren scheinen sich vom Hintergrund abzuheben, obwohl sie ohne Hell-Dunkel-Modellierung ausgeführt sind, und gewinnen so eine überraschende natürliche Plastizität.

Im oberen Teil der Wand befindet sich eine Madonna, die ein segnendes Kind auf dem Arm trägt. Die Figur wirkt streng, sie trägt eine mit Edelsteinen und Sternen besetzte Stola und ist vom Täufer und weiteren Heiligen umgeben, die der Szene Feierlichkeit verleihen.

Neben diesen Fresken leuchtet eine Madonna mit Kind, auf eine Holztafel vor goldenem Hintergrund gemalt, wie aus sich selbst heraus und zieht den Blick des Besuchers an, indem sie an die Frömmigkeit und die Kunst vergangener Zeiten erinnert.

Außerdem gibt es 13 Bilder, die den Kreuzweg darstellen. (Da sie entlang der gesamten Kirchenwand angebracht sind, überlassen wir es dir, sie vom ersten bis zum letzten anzusehen.)

  1. Jesus zum Tod verurteilt
  2. Jesus empfängt das Kreuz auf seine Schultern
  3. Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
  4. Jesus begegnet seiner allerseligsten Mutter
  5. Jesus wird gezwungen, das Kreuz zu tragen
  6. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
  7. Jesus tröstet die Frauen von Jerusalem
  8. Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
  9. Jesus wird entkleidet und mit Galle getränkt
  10. Jesus wird ans Kreuz genagelt
  11. Jesus wird erhöht und stirbt am Kreuz
  12. Jesus wird vom Kreuz abgenommen
  13. Jesus wird in das heilige Grab gelegt

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GLOCKENTURM

Der Glockenturm von Arquà Petrarca hat Ursprünge, die bis ins Jahr 1580 zurückreichen. Schon damals wird die Uhr in den „Ordini“ erwähnt als „seit bereits einigen Monaten nicht in Ordnung“. Im Jahr 1667 wurde der Glockenturm von einem Blitz zerstört, doch in den folgenden Jahrhunderten wurde er mehrfach wiederaufgebaut.

1847 wurde die Glockenstube wegen des Verfalls erneuert, und zwar ab etwa der halben Höhe der Fenster, nach einem Entwurf des Ingenieurs Maschietti aus Monselice. Um das, was als „Ungeschicklichkeit im Stil“ galt, zu korrigieren, wurden die flachbogigen Fenster verlängert und spitz ausgeführt; zugleich wurde der Turm mit einer ghibellinischen Zinnenkrone abgeschlossen. Während dieses Eingriffs wurden außerdem die zweibogigen Fenster des quadratischen Turmschafts zugemauert.

1928, als der Turm erneut baufällig war und Einsturzgefahr bestand, wurde er nach dem Entwurf Maschiettis wieder in sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückgeführt. Maschietti hatte sich dabei an den Stichen von Giorgi (1635) und Chevalier (1831) orientiert. Die Zinnen wurden entfernt und das Dach als vierseitiges Walmdach neu ausgeführt, so wie wir es heute sehen.

Wie früher dient ein kleines Zimmer am Fuß des Turms noch immer als Sakristei und bewahrt damit die Kontinuität der Nutzung und die Geschichte dieses symbolträchtigen Bauwerks des Ortes.

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